Richard Galliano Solo; The Yellowjackets

«Jazzlegends»19.30 Uhr | Stadtcasino Basel – Musiksaal23 Oktober 2021SERIES 202123 OktoberTICKETS

Teil 1:

Akkordeon-Genie: Richard Galliano zum 70. Geburtstag

 

Kein Geringerer als Astor Piazzolla ermuntert 1983 Richard Galliano seinen eigenen, von der französischen Akkordeontradition geprägten Stil zu formen. Ob Musette-Walzer, Tango, Jazz-Improvisation, Weltmusik oder gar Bach, der 1950 geborene Südfranzose ist einer der ganz Grossen seiner Zunft. Am 12. Dezember 2020 feiert Richard Galliano seinen 70. Geburtstag.

Richard Gallianos neues Album «Valse(s)» ist eine Sammlung von Melodien seiner Kindheit. Chopin, Schostakowitsch, Sauguet, sowie sein Vater Lucien Galliano sind mit Kompositionen vertreten.

Teil 2:

The Yellow Jackets – 40 Years  Y J

 

Es sind diese komplizierten, komplexen Kompositionen, die häufig durch ein Leitthema gestützt werden und unzählige Grenzen überschreiten, was es so schwer macht, diese Band in eine Schublade zu stecken. Das Prinzip: Die Musik muss grooven, und sie muss einem überlegten zeitgenössischen, abgerundeten Jazzkonzept genügen.

 

Die Yellowjackets um das Gründungsmitglied Russell Ferrante (Piano, Synthesizer), Bob Mintzer (Tenorsaxofon, EWI), Drummer William Kennedy und das jüngste Mitglied, Bassist Dane Alderson (seit 2016 dabei), haben auch 40 Jahre nach ihrer Gründung ihre ursprüngliche Formel beibehalten. Die Frage war lediglich: Wird Bassist Alderson den einstigen sensationellen Jimmy Haslip ersetzen können? Die Yellowjackets wurden einst von den Musikern aus Robben Fords Band gegründet und begannen als Jazz-Fusion-Band. Sie haben diesen Kern definitiv noch, hauptsächlich durch Russell Ferrantes Keyboards, Mintzers EWI, aber auch das Schlagzeugspiel von William Kennedy, das Funk und Rockmetaphern in Mintzers Jazz-Drehpunkt bringt. Jimmy Haslip hatte noch etwas Soul in die Musik gebracht, und Alderson erweitert das stilistische Spektrum mit seinem filigranen und rhythmischen Spiel auf dem sechssaitigen E-Bass tatsächlich noch weiter.   

 

Genau das sind die Yellowjackets. Der Sound klingt live mehr nach Steeldrums, weniger nach Synthesizer. Aber wie bei fast allen Stücken dreht sich alles um den Gesamteindruck, den der Einfallsreichtum eingängiger, komplexer Melodien, die harmonischen Linien, die sich sanft überlagern, sowie ein unvergessliches Gefühl von Nostalgie hinterlassen. Russell Ferrante ist ein Meister des Spannungsbogens, beginnt häufig erst vage und unbestimmt, um sich aber immer mehr hineinzusteigern in einen Strom von Einfällen. Es ist auch die zarte Liebkosung des Klaviers, was seinen Stil ausmacht, die Suche nach eindringlichen, schwebenden Melodien, die seltsam überlagert werden von einer Studie stiller Sehnsucht und konfliktreicher Spannung. So auch bei «Be Yourself», wo man den Eindruck hat, Ferrante habe sich in letzter Zeit stark mit Mozart auseinandergesetzt.

 

Die Truppe schafft es mit ihrem ansprechenden Jazz-Funk-Hybriden immer wieder raffinierte Kompositionen zu schaffen, die Platz für bemerkenswerte Improvisationen lassen. Der Sound von Yellowjackets hat sich tatsächlich weiterentwickelt, was zum Teil auf die zahlreichen Besetzungsänderungen im Laufe der Jahre zurückzuführen ist. Spätestens mit dem australischen Bassgitarren-Virtuosen Dane Alderson als Nachfolger des Kurzzeitmitglied Felix Pastorius. Alderson liefert vielleicht genau den Sound, der vielen Fusionfans gefehlt hat, die gitarrenartige Melodieführung.