STADTCASINO BASEL – MUSIKSAAL
«Festival Opening»
Jan Garbarek wurde durch offbeat schon vor mehr als 40 Jahren in Basel präsentiert, seine Konzerte mit dem Hilliard Ensemble in Basel sind unvergesslich, sein Quartet mit Keith Jarrett gehört zum Besten, was ECM je produziert hat. Mit dem norwegischen Saxofonisten und Komponisten Garbarek fand der europäische Jazz in den siebziger Jahren eine eigene Stimme, die über die Geste des Widerstandes gegen afroamerikanische Normen, die die Experimentatoren der Free-Szene pflegten, hinausreichte. Seine weit ausladenden, selbst in hohen Lagen samtig weichen Linien und verhaltenen Atmosphären schufen eine volksmusikalisch und kammermusikalisch geprägte Ausdrucksform zeitgenössischen Improvisieren, die mit Projekten wie «Officium» in den späten neunziger Jahren bis in die Traditionsbildung der Renaissance- und Kirchenmusik hineinreichte.
80 Jahre später ist Jan Garbarek einer der Superstars der internationalen Musikszene und zugleich einer der prägenden Stilisten des kammermusikalischen Jazzidioms. Seine Klangwelten gelten als wegweisend für die Entwicklung der skandinavischen Improvisationskultur der vergangenen vier Jahrzehnte.
Als grosse Eröffnung des Festivals 2027 feiern wir am 25. Mai 2027 «80 Years Jan Garbarek»!
Jan Garbarek wurde 1947 im norwegischen Mysen geboren. Unter dem Eindruck des damals aktuellen John Coltrane Quartetts, dessen Musik er im Radio gehörte hatte, griff der 14-jährige Teenager zum Saxofon und begann, sich zunächst autodidaktisch anhand eines Lehrbuchs mit dem Instrument vertraut zu machen. Nach der Schule studierte er in Oslo Philosophie und trat bereits 1964 in kleinen Gruppen mit den Sängerin Karin Krog und dem Schlagzeuger Jon Christensen auf.
Anno 1970 begann die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem damals noch jungen Label ECM, die über mehr als drei Jahrzehnte hinweg sich zu einer aussergewöhnlichen Erfolgsgeschichte entwickelte, die wiederum für ähnliche Projekte des europäischen und internationalen Jazz den Weg ebnete. Garbarek spielte mit eigenen Formationen («Witchi-Tai-To», 1974), kooperierte mit dem Gitarristen Ralph Towner («Solstice/Sound And Shadows», 1977), dem Trompeter Kenny Wheeler («Deer Wan», 1978) und besonders erfolgreich mit dem Pianisten Keith Jarrett («Belonging», 1975; «My Song», 1977). Außerdem konzipierte er zusammen mit dem Gitarristen Egberto Gismonti und Charlie Haden am Bass das programmatische Album «Folk Songs» (1979), das zu den reifsten Beispielen kulturübergreifender Klangsymbiose dieser Ära gehört.
Seit den achtziger Jahren bildeten sich feste Gruppen heraus, zu denen unter anderem der Kontrabassist Eberhard Weber, der Keyboarder Rainer Brüninghaus und die Perkussionistin Marilyn Mazur gehörten. Es entstanden zahlreiche, häufig preisgekrönte Einspielungen wie «Paths, Prints» (1981), «Wayfarer» (1983), «Legend Of The Seven Dreams» (1988), «Twelve Moons» (1992), darüber hinaus Querverbindungen zur indischen und arabischen Klangkultur wie «Ragas and Sagas» (mit Ustad Fateh Ali Khan, (1990) oder «Madar» (mit Anouar Brahem und Shaukat Hussain, 1992). Zu einem sensationellen Erfolg entwickelte sich das Album «Officium» (1993) mit dem Hilliard Ensemble, das die Verbindung von Garbareks improvisierten Linien und der geistlichen Vokalmusik des Mittelalters und der frühen Neuzeit wagte und 1998 mit «Mnemosyne» noch eine Fortsetzung fand.
Mit Alben wie «Visible World»(1995) und «Rites» (1998) wagte er wiederum einen behutsamen Schulterschluss mit elektronischen Soundscapes, «Monodia» (2001) brachte ihn mit der Musik des Komponisten Tigran Mansurian zusammen, «Universal Syncopations» (2003) mit einer Allstar-Band um den Bassisten Miroslav Vitous. Mit «In Praise Of Dreams» präsentierte er sich im Herbst 2004 an der Seite der Bratschistin Kim Kashkashian und des Schlagzeugers/Perkussionisten Manu Katché. Im September 2009 erfüllte der Saxophonist seinen Fans mit dem Doppelalbum «Dresden – In Concert» einen lange gehegten Wunsch, als er mit der immens populären Jan Garbarek Group (feat. Rainer Brüninghaus, Yuri Daniel & Manu Katché) das erste eigene Live-Album in seiner vierzigjährigen Karriere veröffentlichte.