Yaron Herman solo; Peirani/Parisien Duets

Naturel français20 Uhr | Martinskirche11 Mai 2017FESTIVAL 11 Mai
Herman
Herman
Peirani
Peirani

Yaron Hermann (piano)

 

Jazz für Leute von heute

Wenn wir im Jazz von «zeitgenössisch» oder «modern» sprechen, denken wir meist in ganzen Entwicklungsbögen, die zuweilen mehrere Jahrzehnte überspannen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass das Neue, wenn es sich im Hier und Jetzt ereignet, oftmals übersehen und erst später zur Kenntnis genommen wird, wenn es sich irgendwo einordnen lässt. Es ist Off Beat, seinem Jazzfestival und den Series zu danken, dass es in seinem Programm seit Jahren neben gestandenen Grössen auch unbekanntere Musiker und Musikerinnen aufnimmt, die dabei sind, den Jazz von innen heraus zu erneuern. Der israelische, in Paris wirkende Pianist Yaron Herman gehört zu ihnen. In Frankreich längst kein Geheimtipp mehr, haben wir nun auch in Basel Gelegenheit, eines seiner einmaligen, von älteren und jüngeren Menschen begeistert aufgenommenen «Recitals» zu hören.

Yaron Herman (geb. 1981 in Tel Aviv-Jaffa) hat sich aufgemacht, die Geschichte des Jazzpianos weiter zu schreiben und sie um ein Kapitel zu bereichern, in dem er sich, als Kind seiner Zeit, mit den vielfältigen Formen und Stilen des heutigen Jazz, der Klassik und des Pop beschäftigt und diese in seine eigene Musik einarbeitet. Aufgewachsen mit Pop, Post Rock, israelischer und orientalischer Musik, hat er sich an Jazzpianisten wie Lennie Tristano, Paul Bley, Keith Jarrett und Brad Mehldau geschult, Alexander Skrjabin studiert und durch Experimentieren mit dem ganzen Klangspektrums seines Instruments, mit Anschlag und Technik zu einer eigenen Sprache gefunden. 

In Yaron Hermans Spiel paaren sich Intelligenz und glasklarer Verstand mit Intuition, grossem Gefühl, Leidenschaft und totaler Hingabe. Kompositionen von Scrjabin, Gabriel Fauré, Björk, Sting, Leonard Cohen, Nirvana oder Radio Head bereichern das Repertoire und den Jazz insgesamt, dessen Geist Yaron Hermans Musik durchgehend verpflichtet bleibt. «Die Essenz des Jazz liegt vor allem in seiner Spontaneität, Freiheit und in den Möglichkeiten Risiken einzugehen, Freude zu haben und zu bereiten, wenn man diese Musik spielt», sagt Yaron Herman, und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Urs Ramseyer

Vincent Peirani (accordeon)

Emile Parisien (saxes)

 

Duo ohne Grenzen

Wie Luciano Biondini konnte auch Vincent Peirani von der Pionierarbeit eines Richard Galliano profitieren. Wie Galliano ist Peirani in Südfrankreich aufgewachsen. Akkordeon spielt er seit seinem 11. Lebensjahr. Nach seiner Ausbildung als Klarinettist am Konservatorium von Paris wandte er sich dem Jazz, später auch fernöstlichen Musiktraditionen zu. Er verdankt seinen Durchbruch im Jazz Daniel Humair, auf dessen Album «Sweet and Sour» (2011) er gemeinsam mit dem Sopransaxophonisten Emile Parisien eine wesentliche Rolle spielte. 

Schon 2012 formierte er mit Emile Parisien ein Duo. Als Siggi Loch die beiden einlud, ein Album für sein Label ACT aufzunehmen, verband er das mit der Auflage, Kompositionen von Sidney Bechet einzuspielen. Das brachte die beiden auf die Idee, weiter im Umfeld der Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu recherchieren. So gesellten sich zu Bechets «Egyptian Fantasy» und «Song of Medina» weitere Kompositionen wie der «Temptation Rag», «St. James Infirmary» oder Duke Ellingtons «Dancers in Love». Dazu kamen drei Eigenkompositionen. Entstanden ist im Spannungsfeld der «Klassiker» und dem schon breiten Erfahrungshorizont der Musiker ein fruchtbarer Dialog, der sich live in ungeahnte Sphären der Improvisation entwickeln kann. Die virtuose Auseinandersetzung der beiden ist nie geschmäcklerisch oder manieristisch. Die Referenzen an die «Belle époque» sind unüberhörbar, ohne dass dabei der breite Horizont der beiden ausgeblendet würde. 

Von der Académie du Jazz haben beide – wie auch schon Richard Galliano - den Prix Django Reinhardt als beste französische Jazzmusiker zugesprochen erhalten, Parisien 2012, Peirani 2013. Ruedi Ankli

CD-Tipps

«Belle Epoque», ACT 2014 / Daniel Humair Quartett: «Sweet and Sour», Laborie 2012