Tord Gustavsen Trio; The Wasserfuhr Brothers

«Nordic Light» 20 Uhr | Martinskirche Basel04 Dezember 2017CHF 76.— | 57.— | 38.—SERIES 201704 DezemberTICKETS
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The Wasserfuhr Brothers

 

Julian Wasserfuhr (tp/flgh)

Roman Wasserfuhr (piano)

 

Seit ihrem Debüt Album «Remember Chet» (2006), mit dem der damals erst 17-jährige Julian Wasserfuhr in die Fussstapfen Chet Bakers schlüpfte, avancierten die Wasserfuhr-Brüder aus dem beschaulichen oberbergischen Dorf Hückeswagen zu Ausnahmeerscheinungen des Young German Jazz. Eine solch unglaubliche und verblüffende Reife eines jungen Trompeters hatte man seit dem frühen Till Brönner lange nicht gehört. Nicht minder beeindruckend war die Souveränität, mit der Julians gerade mal drei Jahre älterer Bruder Roman am Klavier nahezu symbiotisch begleitete.

«Am Anfang einer Karriere steht Epigonentum», befand einst der Trompeter Manfred Schoof: Und so arbeiteten sich die beiden Brüder zunächst am Vorbild ab, denn erst die Auseinandersetzung mit der Tradition bildet die Grundlage für ein eigenes Oeuvre. Auf unzähligen Konzerten erspielten sich die Wasserfuhr-Brüder schnell ein breites Publikum und einen Namen in der Szene.

«Upgraded in Gothenburg» hiess dann logischerweise ihr zweites Album (2009): Von der Provinz in ein internationales Umfeld, mit den Jazzstars Nils Landgren und Lars Danielsson legten sie bei der Aufnahmesession in Göteborg das Etikett «Young German» ab und stiegen in die erste Liga des deutschen Jazz auf.

Im Frühjahr 2011 folgte dann der dritte Streich: «Gravity». Das Album erzählt davon, wie wichtig die Bodenhaftung ist, wenn der Karriere Flügel wachsen. Es geht um die Schwerkraft und ihre Überwindung: Man muss geerdet sein, festen Boden unter den Füssen haben, um abheben zu können. Und wieder sind Weltklasse-Musiker an der Seite der Wasserfuhrs: Erneut der schwedische Bass-Melodiker Lars Danielsson und erstmals Deutschlands gefragtester Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner.

Was die Musik der Wasserfuhr-Brüder so besonders macht, ist ihr Mut zu bezaubernder Schlichtheit, ihr absolutes Vertrauen in die Melodie und ihr Gefühl für Lyrik und innere Spannung. Handwerkliches Können und instrumentale Virtuosität werden nicht wahllos zur Schau gestellt, sondern ganz im Dienste des Songs und für den für die Wasserfuhrs so typischen Transport von Emotionen eingesetzt.

Mit ihrem vierten Album «Running» (September 2013) stellen sich die Brüder Wasserfuhr nun endgültig auf eigene Füsse. Es ist ihr persönlichstes Album geworden. Ein Grossteil der Kompositionen, Aufnahme und Produktion lagen in den Händen von Julian und Roman Wasserfuhr. Dass sie dieses Wagnis auf sich genommen haben, zeugt von einer erstaunlichen Reife, die die beiden Musiker in ihren immer noch jungen Jahren mittlerweile gewonnen haben. Er gibt der Musik Halt und Fundament, lässt sie aber im mindestens gleichen Mass auch abheben.

 

 

Tord Gustavsen New Trio «What was said»

 

Tord Gustavsen (piano)

Simin Tander (vocals)

Jarle Vesperstad (perc.)

 

Die Sängerin Simin Tander ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber einen afghanischen Vater. Dessen Heimatsprache Paschtu musste sie sich zwar erst mühsam aneignen, doch mittlerweile singt sie auch in dieser Sprache. Auf dem neuen Album des norwegischen Pianisten Tord Gustavsen sind es vorwiegend Kirchenlieder aus dessen Heimat. Was sich auf dem Papier liest wie eine Ausgeburt des Multikulturalismus, erweist sich beim Anhören als ein Wunder an Ausdruckskraft und musikalischer Delikatesse.

Gustavsen, ein Meister der leisen Töne, ist mit diesen Hymnen und Kirchenliedern aufgewachsen und schätzt sie mehr als die meist amerikanischen Standards, die eigentlich den Jazz-Kanon ausmachen. Tander und Gustavsen, die sich vor zwei Jahren kennen- und schätzen lernten, haben sich dann dafür entschieden, diese Lieder von einem afghanischen Lyriker ins Paschtu übersetzen zu lassen. «Dieser Prozess war herausfordernd und wirklich fruchtbar», erinnert sich Gustavsen. «Wir haben uns sehr darauf konzentriert, die Texte in einem ganzheitlichen Sinne zu interpretieren und sind in einen Bereich vorgedrungen, wo ich das Gefühl habe, dass Sufismus und Christentum zusammenkommen.» Simin Tander singt ausserdem Verse des persischen Mystikers Rumi und des amerikanischen Beat-Poeten Kenneth Rexroth («I Refuse») in englischer Sprache. Ein paar Instrumentalstücke von Tord Gustavsen, die verraten, dass er tiefer im Blues verwurzelt ist, als er zugeben mag, haben ausserdem auch noch auf der Platte Platz gefunden. Tord Gustavsen wurde mit dieser CD-Produktion in Deutschland speziell geehrt: Beste Jazz-Platte des Jahres 2016!

 

ECM Records Hörprobe: «The Way You Play My Heart» aus dem Album «What Was Said» von Tord Gustavsen

 

CD-Tipps
Tord Gustavsen Trio «What Was Said»,
Deutscher Schallplattenpreis, ECM 2016

 

The Wasserfuhr Brothers «Landed in Brooklyn», ACT 2017