Richard Galliano,
Jean Paul Brodbeck, Alex Hendriksen

From Piazzolla to Jazz 20 UHR | Dorfkirche Riehen CHF 75.— | 55.— | 35.—FESTIVAL08 | Mai | 2014TICKETS
Galliano
Galliano
Jean Paul Brodbeck
Jean Paul Brodbeck

Das Akkordeon im Jazz – Emanzipation und Herausforderung des Einmannorchesters

Das Akkordeon brauchte lange, um im Jazz anerkannt zu werden. Vermutlich war es den meisten Jazzmusikern als Verkörperung der volkstümlichen (Tanz-)Musik zu einfach, zu populär. Vielleicht lag es aber auch daran, dass das vermutlich um 1830 in Wien erfundene Instrument, das die ganze Welt eroberte, eigentlich sich selber genügt. Mit anderen Worten: Das Akkordeon ersetzt ein Orchester.
 

Richard Galliano – Der Wegbereiter

Das demonstriert keiner so souverän wie Richard Galliano, der als wichtigste Integrationsfigur des Akkordeons im Jazz gelten darf. Er hatte ein Vorbild im argentinischen Bandoneonisten Astor Piazzolla, der im Nuevo Tango eine neue Form des Tangos erfand, aber auch den Weg in den Jazz ebnete. Galliano hat durch seine Piazzolla-Projekte den Nuevo Tango verinnerlicht und weiter entwickelt. Wer sich einmal sein Solo-Konzert von 2009 in Paris angehört hat, weiss, welche Türen der Sohn italienischer Einwanderer in Südfrankreich für das Instrument im Jazz geöffnet hat. Dazu kommt, dass Galliano eine ungewöhnlich starke Emotionalität zum Ausdruck bringt, die nie im Kontrast zu seiner Virtuosität und seinem Improvisationsgenie steht. Richard Galliano tritt erstmals am Jazzfestival als Einmannorchester auf und zeigt damit, welch unbegrenzte Möglichkeiten das Akkordeons hat.
 

Luciano Biondini – Das Einmannorchester mit Orchestererfahrung

Auch der Italiener Luciano Biondini versteht sich gerne als Einmannorchester. Wer ihn schon einmal am Festival «Time in Jazz» des sardischen Trompeters Paolo Fresu im Morgengrauen an einem Bergsee hat spielen hören, konte hautnah erleben, in welche Sphären dieser Mann mit seiner grossen Intuition vordringen kann. Er hat aber auch reelle Orchestererfahrung. In den letzten Jahren hat ein so erfahrener Bigband-Dirigent wie George Gruntz Biondini den Italiener gezielt in seinem Projekt «Matterhorn Matters» eingesetzt, nachdem er mit ihm im Trio gespielt hatte. Biondini ist sich der Ausstrahlung seines Instruments als funktionales Orchester sehr bewusst, denn anders lässt sich nicht erklären, wie er unter dem Patronat von Gruntz auch starke Kompositionen für die Bigband schrieb. Gleichzeitig hat Biondini eine unerhörte Gabe als Improvisator und als Partner in diversen Formationen bewiesen, unter anderen im Duo mit Gabriele Mirabassi, Javier Girotto oder Rita Marcotulli. Die phantasievollen Variationen und die Stimmigkeit, die er im Trio mit dem Schweizer Percussionisten Lucas Niggli und dem französischen Posaunisten Michel Godard auf dem neuen Album «Mavì» zur Geltung bringt, sind einzigartig. Das ist Jazz pur, und gefällt auch Musikfreunden, die kaum wissen, was Jazz ist, weil die originale Volkstümlichkeit des Akkordeons bei aller Virtuosität dieser drei Künstler nie verloren geht. In der Gare du Nord stellt Biondini auch eine zweite Formation vor, ein Quartett mit dem Bassisten Michel Benita, dem Drummer Philippe Garcia und dem polnischen Ausnahmegeiger Adam Baldych.
 

Vincent Peirani – Die Zukunft des Akkordeons im Jazz

Konnte Biondini von der Pionierarbeit eines Galliano profitieren, so gilt das auch für Vincent Peirani, der ebenfalls in Südfrankreich aufgewachsen ist. Akkordeon spielt er seit seinem elften Lebensjahr. Nach seiner Ausbildung als Klarinettist am Konseravatorium von Paris gewann er schon 1998 als Achtzehnjähriger den Prix d’Accordéon Classique. Unmittelbar danach wandte er sich dem Jazz, später auch fernöstlichen Musiktraditionen zu. Er verdankt seinen Durchbruch im Jazz keinem geringeren als Daniel Humair, auf dessen Album «Sweet and Sour» (2011) er auch als Komponist eine wesentliche Rolle spielt. Sein Durchbruch erfolgte 2013 mit dem Album «Thrill Box», das er mit Michael Wollny, Michel Benita und Michel Portal als Gast eingespielt hat. Von der Académie du Jazz hat er– wie auch schon Richard Galliano – den Prix Django Reinhardt als bester französischer Jazzmusiker 2013 zugesprochen erhalten. Peirani ist über die französische Szene hinaus einer der gefragtesten Musiker geworden. In Basel tritt er mit einem weiteren Giganten der französischen Szene auf, dem Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons, ein Musiker nota bene, der den Charme und die metamorphische Anziehungskraft des Akkordeons schon vor vielen Jahren entdeckt hat, nicht zuletzt im Dialog mit Luciano Biondini. 


Ruedi Ankli

Alex Hendriksen (saxes)

Jean Paul Brodbeck (piano)

 

Die Duo Formation hat es Alex Hendriksen angetan: «Es ist die Königsdisziplin des Zusammenspiels – es gibt kein Verstecken, keine Kompromisse. Man ist nackt unterwegs ...» 

Mit Jean-Paul Brodbeck spielt Alex Hendriksen schon seit vielen Jahren in verschiedenen Besetzungen. Erstmals zelebrieren die beiden mit diesem Duo kammermusikalische Musik, die auf Eigenkompositionen, Spirituals und klassischen Melodien beruht und ihre lyrischen Seiten zum Ausdruck bringt. Dieses Repertoire bietet den beiden reichlich Gelegenheit Tiefe und Sensibilität, zu dem diese beiden Ausnahmemusiker fähig sind, voll auszuloten.

Das Duo besticht durch ihr symbiotisches Zusammenspiel und ihre Reduktion auf das Essentielle. Zugunsten maximaler Expressivität verzichten die beiden über weite Strecken bewusst darauf, ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, trumpfen dafür aber mit grossartigen Melodien und echten Emotionen auf, die tief in ihre Seelen blicken lassen. Hendriksens fantastischer Saxofon Sound kommt so besonders schön zu Geltung.

Im Frühling 2014 präsentiert Alex Hendriksen erstmals ein Duo Doppel Album, das sehr persönlich, emotional und ehrlich ist: eine Studioaufnahme mit Jean-Paul Brodbeck am Klavier und eine Live Aufnahme mit Fabian Gisler am Kontrabass in der Martinskirche. 

«Back 2 Back» heisst das Album und erscheint beim Label ANUK.



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